
Mittwoch, 10. Juni 2009
Mittwoch, 3. Juni 2009
Zeugnisse schreiben, Theaterstück schreiben, Theaterstück üben, Geduld üben, ...
Das ist hier so. Man kann zwar gewisse Vereinbarungen und deren Einhaltung mit viel Energie einfordern, aber das meiste läuft doch so, wie es gerade kommt, also meistens gut, manchmal aber auch gar nicht. Das ist großartig für spontane Feste, oder auch unseren neuen, ganz hervorragenden Laden im Roshni-Dorf, der eine Woche, nachdem die Idee kam, eröffnet wurde.
Als ich hier neu und fremd war, habe ich mich manchmal sehr geärgert. Eine grundlos ausfallende Unterrichtsstunde, dich ich doch vorbereitet hatte, machte mich wütend, oder ich ging davon aus, dass unsere Köchin Dinge, die man ihr einmal sagte einhielt - pff...
Die ein oder andere Frustration hat mich weitaus entspannter gemacht, so dass ich mich jetzt eigentlich hauptsächlich auf Samstag und die darauffolgende Zeugnisvergabe am Mittwoch freue. Einige Zeugnisse sind noch nicht fertig und auch für die Aufführung ist noch einiges im Unklaren. Aber es wird ja doch irgendwie gut.
Sonntag, 17. Mai 2009
kurzer Zwischenstand
Vergangenen Monat war meine Mutter für gut zwei Wochen zu Besuch hier bei mir. Ihre Verabschiedung „Bis bald!“ machte es einmal wieder klar: Meine Zeit hier in Lahore neigt sich dem Ende zu.
Meine Mama über Lahore
Es bleibt mir noch ein halber Monat Unterricht, bis die Ferien beginnen, danach ein dreiwöchiges Feriencamp für unsere höheren Klassen, bis ich gemeinsam mit Rasmus, einem anderen deutschen Freiwilligen aufbrechen werde, um den Norden unseres Nachbarlandes Indien, sowie Nepal für gut einen Monat zu erkunden. In mir entsteht langsam ein Endspurts-Gefühl, ich mache viel - das gefällt mir. Ich fühle mich gut ausgefüllt und kann das Leben hier gerade sehr genießen. Erst gestern veranstalteten wir, die im Gemeinschaftshaus zusammen wohnen, ein Fest auf unserem Dach... Öllampen, lange Gespäche, gutes deutsch-pakistanisches Essen, alte indische Schlager, ein riesiger Sternenhimmel über uns und die angenehme Sommernacht um uns herum.
Von einem kleinen grünen Bäumchen im pakistanischen Bildungsdschungel
Ali Hassan und Ahsan aus unserer vierten Klasse
Meinen Beobachtungen und Erfahrungen nach haben die meisten dieser Schulen, die sich in Preis, Ausstattung und Ansehen so sehr von einander unterscheiden, jedoch eine entscheidende Gemeinsamkeiten: Die in Pakistan üblichen Lehrmethoden wurden selbstverständlich von Erwachsenen entwickelt, wobei diese dabei offensichtlich von ihrer abstrakt-intellektuellen Art zu denken ausgehen, anstatt sich an der Entwicklung und den Bedürfnissen der heranwachsenden Kinder zu orientieren. Es entstand dadurch ein System, in dem es als gut und richtig gilt, Vierjährigen das Alphabet (Urdu sowie Englisch) beizubringen, Sechsjährigen den Nachmittag mit fünf Stunden Hausaufgaben zu füllen und Fünftklklässler im Physikunterricht englische Definitionen auswendig wiedergeben zu lassen, deren Satzstruktur sie oft nicht einmal verstehen. Dazu kommt, dass diese Leistungen in vielen Fällen unter großem Druck eingefordert werden, der zumeist mit Drohungen, Stock oder Lineal auf sie ausgeübt wird.
Schüler der fünften Klasse im Matheunterricht
In diesem pakistanischen Bildungsdschungel wurde 2007 am Rande der Großstadt Lahore unsere Green Earth Roshni School gegründet, in der heute etwa 100 Kinder zwischen Kindergarten und sechster Klasse von acht Lehrerinnen täglich unterrichtet werden. Eine von ihnen bin wie ihr wisst ich. Gegründet von Shahida Perveen-Hannesen, einer Pakistanerin, die lange Zeit in Deutschland und England lebte, soll dieses noch junge Bäumchen den Dorfkindern eine Chance bieten, sich hier ihrem Alter angemessen, sowohl intellektuell, als auch kreativ zu entwickeln. Die Ideen der Waldorfpädagogik bieten den Rahmen dazu, so dass im Stundenplan sowohl die gängigen Fächer wie Mathematik, Englisch und Urdu, als auch Handarbeit, Gartenbau und Musik ihren Platz finden.
Alina und Sehar in unserer kleinen Bibliothek
Neben Englisch in der vierten und fünften Klasse ist es nun auch meine Aufgabe, den Musikunterricht an unserer Schule zu gestalten. Die älteren Schüler lernen englische und Urdu-Lieder auf der Flöte und mit der zweiten Klasse verbringe ich wöchentlich zwei Stunden mit dem Spiel auf Kinderharfen, die uns eine deutsche Schule geschenkt hat. Diese pentatonischen, also für Laienhände leicht spielbaren Saiteninstrumente schaffen es offensichtlich Woche für Woche erneut, die Kinder in eine wunderbar ruhige Stimmung zu versetzen, die ganz klar eine Ausnahme in ihrem sonst so lauten und hektischen Alltag bildet. In dieser Besinnlichkeit kommen sie zu sich und haben immer wieder große Freude an ihrer eigenen Musik.
Die Kinder lernen hier, dass ihr eigenes, kreatives Tun Erfolgserlebnisse mit sich bringen kann. Das Auswendiglernen von Texten hingegen entwickelt weder Verantwortungsbewusstsein, noch Selbstbewusstsein und schon gar nicht bringt es den Kindern, Freude am Erkunden ihrer Welt. Genauso wenig hilft früher Druck, aufrecht im Leben stehen zu können.
Meinen Erfahrungen nach ist es aber genau die Förderung dieser Eigenschaften, die der pakistanischen Bevölkerung gut täte, was unsere Arbeit so wichtig und -inshallah- zukunftsweisend macht.
Mittwoch, 29. April 2009
Kamele in der Schule...
Mittwoch, 22. April 2009
zu Hause bei Fatima
Jetzt erlaubt es das Wetter aber wieder, dass sich das Leben fast ausschließlich draußen abspielt. Die Kinder rennen umher, spielen etwas grob mit dem angeketteten Huund, wir setzen uns auf die Betten, bekommen – wie auch sonst in Pakistan? - eine Coca Cola angeboten (würde ich sie doch nur mögen...), Fatima bereitet in einer unglaublichen Geschwindigkeit aus Atta, einem Teig aus Vollkornmehl und Wasser Rotis im Tandoor zu und gleichzeitig geht die Sonne unter und der Mond auf.
Montag, 13. April 2009
Frohe Ostern
Auch hier in Pakistan hatten wir gestern einen richtig schönen Ostermorgen. Gerade sind für eine Woche Ferien, die Betreuten aus unserer Wohngemeinschaftsind deshalb fast alle zu ihren Familien und ich muss für eine Woche keinen Unterricht vorbereiten. Das bedeutet eine gerade sehr angenehme, vielleicht auch dringend notwendige, Entspannung, die allein schon den gestrigen Tag so schön machte. Es gab ein schönes, langes Frühstück und danach einen Osterspaziergang, der jedoch wegen der inzwischen aufkommenden Hitze nur kurz war.Wie man auf dem Bild oben sieht, sind die Tierkinder hier in Roshni für pakistanische Verhältnisse ungewöhnlich pünktlich. Seit wenigen Tagen haben wir hier kleine Katzen, Gänse und Hühner.
Heute begann unser Teachers-Training erneut, das ein Waldorfschul-Lehrer aus Deutschland nun noch für diese Woche vormittags für uns gibt. Es ist gut für mich, hier so viel lernen zu können und durch die vielen Informationen und vor allem Erfahrungen, dem Waldorfschul-System immer näher zu kommen. Es scheint mir wirklich Großartiges dahinter zu stecken.