Freitag, 13. März 2009

Die Nachrichten lesend...

In Deutschland sind die Menschen schockiert über den Amoklauf bei Stuttgart, hier in Lahore sind gerade mal zehn Tage vergangen, seit dem Anschlag auf das Kricket-Team Sri Lankas... Was passiert nur mit den Menschen?
Die Nachrichten über Pakistan lesend bin ich immer wieder tief berührt über das Unheil, das in diesem Land gerade angerichtet wird. Trotzdem scheinen mir das alles noch immer fast genauso ungreifbar, wie vor meiner Zeit hier. Natürlich begreife ich manches besser jetzt, da ich einen Einblick in die Mentalität des pakistanischen Volkes bekommen habe, aber dennoch wirken Meldungen über Attentate und „Talibanisierung“ wie aus weiter Ferne. Zu unterschiedlich ist doch das Bild, das Pakistan mir darbietet und das ich Tag für Tag genießen kann. Die Menschen sind zu freundlich, das Land zu schön... Trotzdem muss ich auch diese Realität mit in mein Mosaik von Pakistan-Erfahrungen einbauen, denn weit weg ist das alles nicht gerade. Liberty-Market und Gaddafi-Stadium, wo die Schießerei vor zehn Tagen stattfand, sind beides Orte, die ich schon besucht habe und ich höre von pakistanischen Freundinnen, die im Bus angeschnauzt werden, sie sollten ihr Dopata (der Schal, den man um den Kopf oder den Oberkörper trägt) anständig anziehen. Einige Menschen haben haben mir erzählt, sie haben Angst, fühlten sich vor allem hilflos gegenüber den Taliban, oder gewalttätigen Extremisten allgemein.
Wer ein wenig die Zeitungen verfolgt, hat vielleicht auch von den Ereignissen im wunderschönen Swat-Gebiet mitbekommen, wo jetzt die Sharia wieder anstatt des staatlichen Gesetzbuches eingesetzt wurde. Was zunächst unglaublich klingt, ist allerdings recht einfach zu erklären. Es geht dabei nämlich vorrangig um Streitereien über Land, die die sehr traditionsbewusste Landbevölkerung seit Jahrhunderten mit der Sharia schnell und ihrer Auffassung nach gerecht schlichten kann. Das diese Menschen emotionalen Gemüts nicht zwei Jahre auf ein Gerichtsurteil von irgendwoher warten möchten, ist vielleicht verständlich. Es ist aus diesem Schritt, den ich im übrigen nicht als gut empfinde, also nicht zu schließen, dass alle Menschen im Swat, die sich eben aus diesem Grund hinter die Forderung der Taliban gestellt haben wild darauf sind, Dieben die Hände abzuhacken, den Westen zu vernichten oder Ehebrecher zu steinigen. So viel nur als kleine Erklärung.
Dies war mein erster Eintrag über dieses an sich wichtige Thema, was wohl klarmachen sollte, welch geringe Rolle es in meinem Alltag spielt. Ich möchte, dass ihr auch ein anderes Gesicht Pakistans zu sehen lernt.


Sonntag, 15. Februar 2009

Vision-Walk mit Roshni

Wenngleich schon wieder fast eine ganze Woche seit meiner Rückkehr vergangen ist, möchte ich euch doch noch von einem Ausflug erzählen, den wir mit den pakistanischen Mitarbeitern hier in Roshni und Dirk Kruse aus Deutschland vergangenes Wochenende unternahmen. Wir verbrachten zwei wundervolle Tage in den nördlich gelegenen Bergen Pakistans. Der Ort, zu dem uns unser Weg zuerst führte, war Kallar Kahar, ein für pakistanische Verhältnisse touristischer Ort mit Tretbooten, einem alten Riesenrad und Pferden und Kamelen zum Reiten. Trotzdem waren auch hier Dirk und ich die einzigen Westler, wobei die schöne Landschaft eindeutig mehr Besuchern würdig wäre.

Direkt nach der Ankunft erkundeten Anum und ich einen Teil der Gegend, es gab einen kleinen Wald mit einer Quelle, aus der ein kleiner Bach entsprung, un dem sich das inzwischen schon wieder recht kräftige Sonnenlicht reflektierte und ein großer, alter Baum auf der Bergspitze bildete die Krönung unseres kleinen Ausflugs.



Mit allen anderen machten wir später einen „Vision-Walk“, eine Wanderung auf einen größeren Berg, bei dem wir uns über unsere Rolle und Aufgabe in Roshni bewusst werden sollten. Wie schön es war, sich einmal wieder körperlich zu betätigen! Ich fühle mich inzwischen schon sehr verbunden mit dem Roshni-Projekt und auch mit einigen Menschen in der Gemeinschaft, vor allem aus der Lehrerschaft. Dies war wahrscheinlich für mich die wichtigste Feststellung während der Zeit in den Bergen. Wir haben viel gemeinsam galacht, Geschichten erzählt, Sterne geschaut und einfach die herrliche Natur dort genossen.


Der zweite Tag bestand nach einem Seminarteil aus Enjoyment – Tretboot, Pferd- und Kamelreiten, Riesenradfahren – und der Besichtigung eines uralten Hindu-Tempels. Eine ganz besondere Stimmung herrschte dort, begonnen bei einem kleinen, klarblauen Teich im Inneren, Korallen-Fossilien, aus denen große Teile des Tempels bestanden und noch lange nicht endend, bei den teilweise noch immer erkennbaren Wandmalereien. Leider ist der paksistanische Staat nicht in der Lage, Geld für die Instandhaltung solch ehrwürdiger Orte zur Verfügung zu stellen, so dass die Wandmalereien wohl ungehalten weiter abblättern werden... Schade drum!

Unseren letzten Halt vor dem Highway in Richtung Lahore machten wir in Khewra, ebenfalls noch in den Bergen, wo sich das zweitgrößte Gebiet zum Abbau von Salz auf der Welt befindet. Mit einem kleinen Bähnchen war es uns möglich, einen der Berge von innen zu sehen – ein unglaublicher Anblick! Durch die verschiedenen Metall und Erdeinlagerungen waren in dem Salz, das uns ringsherum umgab wundervolle Muster in rot-braun-weiß entstanden.

Jetzt sind wir wieder in Roshni. Der Alltag wird wohl langsam wieder Einzug halten, was ich gerade als gar nicht negativ empfinde, schon gar nicht für meine Lehrerinnenarbeit.


Zuletzt möchte ich noch ein neues Projekt vorstellen, das hier gerade anläuft. Man könnte es den großen Bruder meiner Schul-Bücherei nennen: In dem Dorf Karbath, wo auch unsere Roshni-Gemeinschaft, sowie einer unserer beiden Bioläden sind, möchten wir gerne eine Bücherei für die Dorfkinder eröffnen. In einem kleinen Raum soll für sie täglich für ein bis zwei Stunden die Möglichkeit bestehen, sich Bücher auszuleihen, zu basteln, zu malen, Schreibwaren zu kaufen, oder – vorausgesetzt, es wird gut angenommen! - sich dort zu treffen. Ein für mein Empfinden sehr vielversprechendes und hilfreiches Projekt, da die teilweise wirklich armen Kinder begeisterte Leser zu sein scheinen. In der Schule jedenfalls komme ich in den Pausen oft kaum hinterher, alle Kinder aufzuschreiben, die sich ein Buch ausleihen möchten. Schön, dass sie die Bücher so wertschätzen!


Mittwoch, 4. Februar 2009

Es ist einmal wieder Erntezeit in Roshni!

Gerade habe ich eine Schüssel Krautsalat von unseren eigenen Kohlköpfen verputzt und auch sonst können wir uns gerade fast nur von leckerem, biologisch angebautem Gemüse aus dem Roshni-Garten ernähren. Rettiche, Spinat, Karotten, Brokkoli, Kartoffeln, Weißkohl, Blumenkohl, Salat, Auberginen, ... alles wächst ganz wunderbar.

Es gibt hier bisher leider nur wenige Pakistaner, die von biologischer/biodynamischer Landwirtschaft überzeugt sind, aber wenigstens unsere Mitarbeiter im Garten geben langsam zu, dass man ja vielleicht wirklich nicht so viele Chemikalien zum Düngen braucht.

Ein wichtiger Teil unseres Gartens, der Kompost, der hier wirklich mit viel Liebe umsorgt wird, wurde dagegen zum Vorbild für ein größeres Projekt. In Zusammenarbeit mit einem „Experten“ und dank guter finanzieller Unterstützung konnte Roshni im Nachbardorf ein größeres Kompost-Projekt starten, was hoffentlich helfen wird, den riesigen Müllmengen teilweise Herr zu werden und gleichzeitig guten Dünger zu schaffen. Die Dorfbevölkerung machte jedenfalls einen interessierten Eindruck, so dass Hoffnung auf ein gutes Gelingen besteht.

Die Zeit in Indien liegt nun schon wieder eine gute Woche zurück... Leider wurde ich auf der Reise sehr krank, was das ganze nicht angenehmer machte. Trotzdem konnte ich mich noch gut mit Indien anfreunden. Manche Teile Delhis, wie zum Beispiel das alte, muslimische Sufi-Viertel Nizamuddin, haben mich sehr fasziniert und ich freue mich schon auf den Sommer, wenn ich hoffentlich mehr vom Land kennenlernen kann.

Kinder in Nizamuddin
Weil wir die Grenze bei Amritsar überquerten, verbrachten wir auf dem Rückweg auch eine Nacht in dem Goldenen Tempel dort, der der wichtigste Sikh-Tempel ist. Als Reisende wurden wir dort mit unerwarteter Gastfreundschaft aufgenommen, bekamen zu Essen und einen Schlafplatz, sowie interessante Gespräche mit uralten Sikhs. (Der Sikhismus ist eine in Indien weit verbreitete Religion, die sich Grob als Mischung aus Islam und Hinduismus beschreiben lässt.)

der Goldene Tempel von Amritsar

Sumati im Zug mit vielen Sikhs

Zurück in Roshni haben wir momentan Besuch von Dirk Kruse, einem sehr interessanten Mann, der hier Seminare zum Thema Heilpädagogik hält und uns in Roshni mit „Organisationsentwicklung“ helfen möchte. Tatsächlich habe ich das Gefühl, sein Besuch sorgt für einen guten, frischen Wind, der mir zumindest zu neuer Inspiration verhilft. Es tut mir auch gut, ein paar neue Aufgaben in der Schule zu haben. Wie berichtet gebe ich jetzt regulär mehr Unterricht, aber auch im Kindergarten konnte ich in der vergangenen Zeit einige schöne Aktionen anleiten und ab Übermorgen soll es für die Kinder die Möglichkeit geben, sich Bücher aus unserer kleinen Sammlung auszuleihen, die hoffentlich noch zu einer richtigen Schul-Bibliothek heranwachsen kann. Vielleicht hat ja jemand von euch Interesse, ein bisschen Geld für Bücher zu spenden?!

Sonntag, 18. Januar 2009

Delhi!

Fuer alle, die mit mir gefiebert haben: Nach einer kraeftezehrenden Odyssee sind wir vier Weltwaerts-Freiwilligen jetzt doch in Delhi zu einem Zwischenseminar eingetroffen. Leider hatten wir unser Seminar verpasst, da das mit den Visa zu lange gedauert hat. Die Leute von VIA e.V. haben uns Anthros aber sehr tolerant aufgenommen und so hatten wir bereits zwei schoene Tage in der Hauptstadt. Hier (in dem Teil der stadt, den ich kennengelernt habe) ist vieles anders als in Lahore, dafuer aehnlich wie in Deutschland oder sonst fast ueberall. All die teuren Geschaefte sind sauber, die Menschen westlicher und der Verkehr geordneter, und trotzdem macht mich das alles sehr gluecklich, in Lahore zu leben, wo ich die uralten, halb zerfallenen Haeuser und die unzaehligen Strassenstaende so sehr ins Herz geschlossen habe. Adidas Geschaefte, riesige Haeuser und Jeans und T-shirt tragende Frauen werde ich ja noch genug sehen in meinem Leben. Fuer ein paar Tage zum Entspannen ist es aber ganz angenehm und dieser westliche Eindruck steht ja auch bei weitem nicht fuer ganz Indien.
Das Seminar, das inzwischen zwei Tage alt ist, tut gut, um meine Arbeit in Roshni aus der Entfernung zu reflektieren und wertzuschaetzen. Es ist schliesslich bald schon Halbzeit meines Dienstes, sodass ich mir gut ueberlegen muss, was ich in den kommenden Monaten noch alles erledigen moechte. Seit Weihnachten bin ich schon in der Schule mehr integriert, gebe jetzt auch der 5./6. Klasse Englisch- und Floetenunterricht, was ich gerne mache.
Jetzt aber stehen noch einige Tage Auszeit an, die ich auch einfach geniessen moechte und an denen ich hoffentlich noch mehr von Delhi kennenlerne... Die Honigmelonen hier sind jedenfalls koestlich!

Mittwoch, 31. Dezember 2008

ein Ausflug nach Islamabad

Ein akkutes Visa-Problem brachte mich dazu, die vergangenen Ferientage größtenteils in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad zu verbringen. Islamabad ist eine verhältnismäßig grüne, saubere und ruhige Stadt mit Kaffeehäusern, vielen Büros, DHL und allem, was das deutsche Herz sonst noch so begehrt.

Ich war mit Rasmus und zwei anderen Freunden unterwegs und dank der Gastfreundschaft der Pakistaner war es kein Problem, bei einem Bekannten in Islamabad zu schlafen, der kurzerhand sein Zimmer für uns räumte.

Den Sonntag verbrachten wir in Murree, einem nahegelegenen Städtchen in den Bergen, das sich die Briten einst zum Sommerrückzugsort eingerichtet hatten. Verrostete Spielgeräte, Betonskelette angefangener Hotelbauten und sogar eine Seilbahn erinnern daran, dass hier einmal mehr Touristen hinkamen. Zurecht, denn der Ausblick über die Berge, bis hinüber nach Kaschmir waren wirklich wunderschön. Es ist wirklich schade, dass dieser kostbare Aspekt Pakistans, die herrliche Natur, so wenig bekannt ist.

Sonnenuntergang in den Bergen... die Ziegen sieht man leider nicht

Montags standen Behördengänge in Islamabad an, bei denen uns unser neuer Freund und Gastgeber, ein junger pakistanischer Journalist selbstverständlich den ganzen Tag begleitete. Im Grunde mussten wir lediglich eine Kopie eines Briefes bekommen, der nach Lahore hätte geschickt werden sollen, und trotzdem dauerte das mehrere Stunden. In den Warteräumen und Büros war einiges zu beobachten: Da wurden Plastiktüten mit kleinen Aufmerksamkeiten über die großen, alten Schreibtische aus billigem Furnier gereicht und um Wartezeit zu sparen, musste man den Beamten geschickt draußen abpassen, ihn in einen kurzen Plausch verwickeln und schon war man der erste in der Reihe. Pünktlich zur Arbeit kam von den höheren Beamten sowieso keiner und so warteten wir gemeinsam mit britischen Bankern, Frauen in Burqa, französischen Weltenbummlern und vielen afghanischen Flüchtlingen lange Zeit mit Blick auf die großen schwarzen Sessel, auf die sich dann für einige Minuten ein dicker Mann mit sauberem Scheitel setzen würde.

Nach zwei Vormittagen im Innenministerium konnten wir noch ein wenig die Stadt genießen, den idyllischen Rawal-Lake am Rande der Stadt besuchen. auch in Pakistan gibt es Spielplätze

Wir kamen auf unseren Wegen auch am Marriot-Hotel vorbei, dessen Betrieb einige Tage zuvor wieder begonnen hatte, was mir unglaublich vorkam, dann aber durch einen weißen Wagen bewiesen wurde, der direkt vor dem Eingang hielt und einen wichtig aussehenden Mann im Anzug aussteigen ließ. Eine weitere, aus den Nachrichten wohl einigen bekannte Sehenswürdigkeit war die Rote Moschee, die jetzt bis auf einige Farbkleckse beige ist.

die Rote Moschee von Islamabad

Nach einem kurzen Besuch im Passport-Office Lahore heute und einer Nacht im Roshni-Zuhause geht es morgen dann schon wieder nach Islamabad, um dann hoffentlich endlich das indische Visum für unser bald stattfindendes Zwischenseminar in Kalkutta zu bekommen. Das ganze hat sich wirklich zu einer Art schwierigem, frustrierendem, aber auch aufregendem Abenteuer entwickelt.

Mittwoch, 10. Dezember 2008

zum zweiten mal Eid

Der morgentliche, heute besonders lange andauernde Gesang des Azan ist verklungen, das große Mittagessen verspeist und bald machen wir uns aus den Weg, um Anums Familie zu besuchen. Heute ist der Beginn des zweiten Eid-Festes. Bakre-Eid, oder auch Ziegen-Eid heißt es aus dem einfachen Grund, dass jede Familie ein Tier, meistens eine Ziege opfert. Dies geschieht zur Erinnerung an Abraham, der zuerst seinen Sohn, letztendlich aber doch ein Schaf opfern sollte und so fordert nun der Koran alle auf, ein Tier zu opfern, das einem wichtig und lieb ist. Letzteres findet meist nicht besonders große Beachtung, denn die meisten Menschen hier in Lahore kaufen sich kurz vor Eid eine Ziege, oder wer mehr Geld hat eine Kuh, oder gar ein Kamel, eigens zu dem Zweck, sie zu schlachten. Als ich Sonntag durch die Stadt fuhr sah ich, wie tausende Tiere die Straßenränder füllten, bereit zum Verkauf. Geschmückt mit Plastikblumengirlanden und Punkten aus Henna oder gar neonpinker Sprühfarbe im Fell. Richtige Märkte bildeten sich dort in den vergangenen Tagen.
Nach dem gut zwei Tage beanspruchenden Hausputz sind auch wir bereit, morgen ein Schlachtfest zu veranstalten, zu dem Verwandte von Shahida Hannesen kommen werden. Innerlich bin ich allerdings noch lange nicht bereit. Ich kann nicht im geringsten verstehen, wie sich so viele Menschen, sogar kleine Kinder, riesig darauf freuen können.
Ein schöner Teil der Tradition ist, dass das Fleisch, das das Tier hergibt, in drei gleichgroße Teile aufgeteilt wird, von denen einer an Verwandte und Nachbarn geht, der zweite an die Armen, die dann teilweise von Tür zu Tür gehen und um Fleisch bitten, und schließlich das letzte Drittel ist für die eigene Familie.

Sonntag, 7. Dezember 2008

So, wie im vorherigen Text beschrieben, verlaufen aber bei weitem nicht alle Tage. In der vergangenen Zeit gab es scheinbar besonders viele zusätzliche Aktivitäten und Projekte, die jeweils mit verschiedenen Aufgaben verbunden waren. In der Schule hatten wir eine Eltern-Informationsveranstaltung und eine Monatsfeier, die sich letztendlich zu einem Tag der offenen Tür entwickelte, mit viel Programm und reichlich Vorbereitungsaufwand. Ich habe mit der dritten Klasse einen schönen englischen Reigentanz vorgeführt und mit meiner zweiten Klasse das erste Kinderharfenkonzert Pakistans gegeben. Die Kinder haben immer noch viel Spaß an den kleinen Instrumenten und so war es – abgesehen von der nicht ausreichenden Lautstärke – ein bezaubernder Auftritt.

In unserer Roshni-Oase gab es mehrere Besuche von Schul- oder Collegeklassen, Der Advent ist auch hier eingezogen, für den wir sogar einen Adventskranz und einen Gemeinschafts-Adventskalender vorbereitet haben, was eine schöne Bereicherung ist, trotzdem aber nicht richtig dabei hilft, Weihnachtsstimmung zu erzeugen... Draußen ist es sommerlich warm , die Ziegen bekommen immer weiter Kleine und wir ernten jetzt Frischen Salat, Rettich, Blattspinat und Auberginen aus dem Garten, um den sich Saskia und Rasmus gemeinsam mit drei pakistanischen Gärtnern noch immer mit so viel Engagement kümmern.

Kürzlich war ich außerdem mit Mister Rehas, dem „Musiklehrer“ unserer Schule und Sumati bei einer kirchlichen Veranstaltung, auf der wir schwuppdiwupp vor etwa 500 Menschen auf der Bühne standen, die ganz begeistert davon waren, wie wir Herrn Rehas auf dem Tamburin begleiteten. Danach wurden wir herumgefahren, damit uns unser Begleiter all seinen Freunden vorstellen konnte... meistens finde ich es hauptsächlich lustig, anderen Menschen nur mit meiner Hautfarbe solch eine Freude bereiten zu können und eher selten ist es mir unangenehm.

Meinen Geburtstag habe ich auch in Pakistan genießen können. Ich danke allen, die an mich gedacht haben, ganz herzlich. Es war wunderbar so viel Post zu bekommen...unser Fahrer, der immer die Post vorbeibringt denkt jetzt, ich sei eine Berühmtheit in Deutschland. Wir haben mit der ganzen Gemeinschaft gemeinsam Chai getrunken und Apfelkuchen gegessen und abends sind wir zu elft nach einen riesigen Essen zu einem Musikfestival in Lahore gefahren, das zu der Zeit für zehn Tage stattfand.

Mit dem Urdu-Lernen geht es langsam, aber sicher voran... Neben den alltäglichen Lehreinheiten, die sowieso von ganz allein stattfinden, schaffe ich es einigermaßen regelmäßig,mich abends mit Anum für eine Weile hizusetzen um im Tandemprinzip mit ihr Deutsch beziehungsweise Urdu zu lernen.

Soviel für heute. Es sind jetzt wieder eine Woche lang Eid-Ferien, die ich größtenteils in Roshni verbringen werde- vielleicht komme ich dann ja noch einmal zum Schreiben.